Entenglück

Als ich Ende der 70er Jahre bei ELBA arbeitete, kam eine Kollegin völlig aufgeregt in mein Büro.

Im Gegensatz zu meinem Arbeitsplatz lag der ihre mit Sicht auf die Wupper. Atemlos berichtete sie mir, dass eine große, fette Ratte gerade nicht nur ein Küken gefressen hätte, sondern zugleich die Entenmutter tötete.  Was ich nun tun solle, fragte ich. Na, du bist doch solch eine Tierfreundin, dir wird doch was einfallen, entgegnete sie.

Obwohl mir nicht klar war, was ich tun sollte, begab ich mich zusammen mit der Kollegin auf die Moritzbrücke. Oh Schreck, die Entenmutter lag tot am Ufer und vier kleine Küken liefen laut piepend herum. Zum Glück war keine Ratte in Sicht.

Was nun? Ich sammelte meinen ganzen Mut zusammen und hangelte mich mühsam zum Ufer herunter.  Da stand ich nun, die fiependen Entchen vor mir. Kurz entschlossen zog ich meine Bluse aus, sammelte die Kleinen ein, die sich erstaunlich wenig wehrten und dachte darüber nach, wie ich nun wieder hinaufkommen sollte. Inzwischen hatten sich einige Kollegen auf der Brücke eingefunden.

„Wir holen ein Seil“ „Nein, einen Korb“ „Da kommst du nie wieder hoch“ riefen sie von oben.

Zu guter letzt gab es einen Korb am Seil und die Entchen wurden heraufgezogen. Ich selber fand einen Weg an der Mauer hinauf, musste dann jedoch einen großen Umweg laufen. Auf der Brücke angekommen, drückte mir ein Kollege den Korb mit den kleinen Enten in den Arm.

Entenrettung, Stufe zwei, war nun angesagt, statt weiterarbeiten. Für die Kleinen verzichtete ich darauf meine Bluse wieder anzuziehen und machte mich mithilfe eines Kollegen, welcher ebenfalls Entenrettung statt arbeiten vorzog, in seinem Auto auf den Weg zu Freunden meiner Eltern, welche einen großen Teich in ihrem Garten hatten.

Dort angekommen erwies sich die Tochter des Hauses als große Hilfe, sie würde für die Entchen sorgen.

Tatsächlich ging der Plan auf. Die Kleinen lernten Dank Iris alles, was man für ein Entenleben braucht.

Eine der Enten verschwand nach einen halben Jahr. Hatte sie der Fuchs geholt, schaute sie sich nach einem anderen Platz um?

Die restlichen drei fanden einen neuen Partner, dass heißt, drei der Enten waren weiblich, einer ein Erpel und genau der Erpel war es, der verschwand.

Es gab im Laufe der Jahre häufig Nachwuchs, der immer den Teich verließ. Die ursprünglich dort „gelandeten“ Enten lebten ein langes, glückliches Entenleben und noch heute kann man deren Nachkommen auf dem Teich schwimmen sehen.

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2 Antworten auf Entenglück

  1. Gisela Mann-von Weiß sagt:

    Deine Geschichte ergänzt Fredericks Bilder wunderbar. Wenn man nicht ans Wupperufer kommt und keine Polizei zur Hilfe hat , wird die Entenrettung eben per Korb organisiert. Klasse!
    Gruß Gisela

  2. Frederick Mann Frederick Mann sagt:

    TOLL !!!

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